Pestschinken

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Pestschinken

 Standort

Pestschinken
Alte Mühlenstraße 12
26169 Friesoythe

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Pestschinken

Beschreibung

Um 1880 schrieb Amtshauptmann von Heimburg in seinem von ihm so bezeichneten Ritter- und Räuberepos "Der Geldschrankdiebstahl zu Friesoythe" über die Amtsstadt Friesoythe u. a.:

Auf dem Rathaus alte Fahnenan
der Väter Taten mahnen.
Und im Schornstein da bewahrt
man den Schinken selt´ner Art,
in den vor dreihundert Jahren
- wie man sagt - die Pest gefahren.


1867 war in der Erstausgabe des von Ludwig Strackerjan verfassten zweibändigen Werkes "Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg" zu lesen:
"Zu Friesoythe im Wreesmannschen Hause nahe dem Harkebrügger Tor wird ein über 300 Jahre alter Schinken aufbewahrt. In diesen Schinken ist einmal vor vielen Jahren die Pest hineingebannt, die in Gestalt einer blauen Wolke in der Luft herumgefahren und endlich bezwungen und in den Schinken gebannt ist; der Schinken aber ist dadurch unverweslich geworden...".

Bei dem von Strackerjan erwähnten Wreesmannschen Haus nahe dem Langestraßer Tor handelt es sich um "Schraowen Hus", das an der Ecke Langestraße/Neue Straße (heute Bürgermeister-Krose-Straße) stand. Das Haus wurde im April 1945 zerstört.Zeitzeugen können sich noch erinnern, dass in dem großen Bürgerhaus im sogenannten Wiemen der verholzte "Pestschinken" hing. Den Schinken holte der Gutsbesitzer Dietrich Windberg, der das "Schraowen Hus" geerbt hatte, wohl schon vor 1930 auf seinen Hof in Schwaneburg. Als er 1961 starb, drohte der sagenumwobene Schinken als Unrat vernichtet zu werden. Der damalige Heimatvereinsvorsitzende Dr. Fritz Landgraf konnte den Schinken, den eine Mehrenkamper Familie praktisch in letzter Minute vor der Vernichtung bewahren konnte, für den Heimatverein Friesoythe erwerben. Dessen Vorstandsmitglied Heinrich Bögemann sorgte dafür, dass der Pestschinken eine hölzerne Unterlage mit einer sicheren Abdeckung erhielt. Der Pestschinken wird seitdem im Rathaus am Stadtpark aufbewahrt.

Auf der erwähnten hölzernen Unterlage steht die Aufschrift "Pestschinken von Friesoythe 1350". Diese Jahreszahl ist nicht gesichert. Der als "schwarzer Tod" aus den Jahren 1347 - 1352 bekannte Seuchenzug, der in Europa Millionen Todesfälle verursachte, mag auch Friesoythe berührt haben, zumal aus Wildeshausen berichtet wird, dass dort 1350 viele Menschen durch die Pest hinweggerafft wurden. Bemerkenswert ist jedoch, dass auf einer alten Postkarte - siehe Foto von einem "Pestschinken aus dem 16. Jahrhundert". die Rede ist. Dazu passen auch die Angaben in einem großen Seitenfenster in der Marienkirche, das mit bildlichen Darstellungen und Jahreszahlen an große Schicksalsschläge für die Bewohner der Stadt erinnert und dabei "1567 Pest" (sowie 1877 Brand, 1945 Krieg) nennt. Sieve berichtet, dass 1568 in vier Friesoyther Bürgerhäusern die Pestilenz wütete.

Weitere Informationen finden Sie in: Die Geschicht der Stadt Friesoythe