Ausgrabungsstätte im Rathaus

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Ausgrabungsstätte im Rathaus

 Standort

Ausgrabungsstätte im Rathaus
Alte Mühlenstraße 12
26169 Friesoythe

Kontakt

Ausgrabungsstätte

Beschreibung

Friesoythe wurde in der bisher bekannten ältesten Urkunde im Jahr 1308 erstmals am „Stadt" bezeichnet. Das „Rathaus am Stadtpark" steht auf einem historischen Gelände. An diesem Standort befand sich die Burg „tho Oite" der Grafen von Tecklenburg, die Gründer der Stadt Friesoythe sind. Hinweise auf diese Burganlage ergeben sich noch heute aus alten Flurbezeichnungen. So ist z. B. die Brakestraße keine Benennung, die einen Bezug zur Stadt Brake darstellt. Mit „Braake" wurde ein Teil einer Wehranlage bezeichnet. Auch der Hellegraben, der vor der stadtseitigen Front des Rathauses verlief, war Teil der Burgbefestigung. Das Gelände hinter dem Rathaus hatte die Bezeichnung „Burggarten".

Die Burg Friesoythe wurde 1393 in den Kriegen mit den Bischöfen von Münster und Osnabrück von den Truppen des Bischofs von Münster erobert. Im Friedensvertrag von 1400 mussten die Grafen von Tecklenburg u. a. Burg und Stadt Friesoythe an den Bischof von Münster abtreten. Anschließend wurde die Burg zerstört.


Im Jahr 1803 ist Friesoythe mit den münsterschen Ämtern Cloppenburg und Vechta als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses Teil des Herzogtums Oldenburg geworden. Das Grundstück der ehemaligen Burganlage war „herrschaftliches Eigentum" des Bischofs von Münster und ging in das Eigentum des Herzogs von Oldenburg über. 
1821 wurden auf diesem Gelände die Amtsräume und die Dienstwohnung mit einem Stallanbau des Amtmanns des Amtes Friesoythe errichtet. Amt und Amtsgericht wurden im Jahre 1885 neu gebaut. 1928 - 1929 errichtete das Land Oldenburg das neue Amtshaus, im dem sich die Ausgrabungsstätte befindet.

Im August 2002 wurde bei den Bauarbeiten zur Erweiterung und zum Umbau des Rathauses eine Findlingskonstruktion im Kellergeschoss gefunden. Die Archäologische Denkmalpflege Weser-Ems führte eine Untersuchung durch, bei der ein etwa 1,30 m breites Findlingsfundament frei gelegt wurde, das zu der Südostecke eines offenbar massiven, etwa nord-süd ausgerichteten Gebäude gehörte. Das Fundament ist in einen Fundamentgraben gebaut, wobei zu unterst eine etwa 20 cm dicke Ziegelbruchstickung eingebracht wurde, auf der dann die bis zu 80 cm großen Findlinge sorgfältig mit gerader Abschlusskante  bis zu der erhaltenen Höhe von etwa 80 cm aufgeschichtet wurden. An zwei Stellen fanden sich Teile einer Holz-Unterkonstruktion in Form von Balken, die ungefähr quer zum Fundament lagen und außen und innen über die Fundamentbreite hinaus ragten. Einer der Balken lag unter den Findlingen, aber oberhalb der Backsteinstickung, der andere lag ganz unten im Fundamentgraben. Die Funktion dieser Balkenunterzüge ist nicht geklärt: aus statischen Gründen sind sie nicht nötig. Möglicher Weise  haben auf ihnen senkrechte Hölzer, vielleicht eines Baugerüstes, gestanden. Eine jahrringchronologische Altersbestimmung war nicht möglich, da es sich um Nadelbaumholz handelt. Die Radiokarbonanalyse erbrachte eine Eingrenzung auf nicht älter als 1600 n. Chr. Damit gehört dieses Fundament nicht zu den Ende des 14. Jhs. zerstörten Gebäuden der Burg Oite, sondern eher zu einem Vorgängerbau des heutigen Rathauses.

Um welches Gebäudes es sich dabei gehandelt haben kann, ist zur Zeit noch nicht abschließend erforscht.